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Einer trage des Anderen Last

Diese Aussage aus der Feder des Apostels Paulus ist allgemein bekannt. Noch zu DDR-Zeiten, im Jahre 1988, brachte Lothar Warneke einen Film unter gleichnamigem Titel heraus. Die Handlung spielt etwa zu Beginn der 50er Jahre in einem Lungensanatorium. Ausgerechnet ein angehender Prediger und ein kommunistischer Volkspolizist müssen sich gemeinsam ein Zimmer teilen.

Über dem einen Bett hängt ein Kreuz, über dem anderen ein Stalinbild. Der eine liest die Bibel, der andere das Kommunistische Manifest. Gleichzeitig hört man sie singen: "Ein feste Burg ist unser Gott" und "Die Internationale". Trotz aller Konflikte kommt es zu einer interessanten Szene: Beide sind eingeschlafen, der Prediger neben dem Kommunistischen Manifest, der Volkspolizist neben der Bibel. Im Film sollte das ein Zeichen der Versöhnung zwischen zwei gegensätzlichen Weltanschauungen dar­stellen. Was bedeutet es für uns als Christen, Lasten zu tragen? Geht das so weit wie in diesem Beispiel aus dem Film? Ich lese deine kommunistische Bibel, wenn du meine christliche liest?

Die Bibelstelle, welche jenem Film den Titel verliehen hat, finden wir im Galaterbrief, Kapitel 6. In diesem Brief muss der Apostel einige Fehlentwicklungen im Glauben dieser jungen Gemeinden ansprechen. Sie hatten das Evangelium von Paulus gelernt, aber nun waren jüdische Christen pharisäischer Prägung gekommen, die diesen Heiden erzählten, sie müssten per Beschneidung erst Juden werden und das Gesetz Mose halten, bevor sie zu Christus gehören könnten.

In Galatien war es zu Spannungen gekommen, die nicht weniger groß waren, als zwischen Glaubenden und Kommunisten im 20. Jahrhundert. In der kommunistischen Hymne "Die Internationale" von 1888 heißt es im Refrain u.a. "Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!" Im Lied von Martin Luther dagegen lautet die 2. Strophe: "Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren, es streit für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erkoren. Fragst du wer der ist? Er heißt Jesus Christ …"

Zwar glaubten die Irrlehrer in Galatien schon an Gott und Christus, doch sie bestanden auch darauf, dass man sich das Heil nur selber durch Gesetzestaten erarbeiten müsse. Paulus hatte dagegen gepredigt, dass man nicht aus eigener Macht gerettet wird, sondern aus Gnade, wenn man sich im Gehorsam des Glaubens Jesus anvertraut. Beide Positionen standen sich nahezu unversöhnlich gegenüber. Wer hat Recht in dieser Debatte?

Gegen Ende des Galaterbriefes ändert der Apostel seine Beweisführung. Er geht die Frage praktisch an. Welche Theologie bewährt sich im Alltag? Welche bietet das bessere Fundament? Das sind gute Fragen auch für uns heute, wenn auch wir oft mit scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen konfrontiert werden. Was Paulus über das Lastentragen zu sagen hat, kann uns eine wertvolle Anleitung sein, damit unsere Gemeinschaft nicht durch Gegensätze zerfällt, sondern stabil bleibt und wächst.

Gibt es Hilfe beim Lastentragen? Ja oder nein? Zu dieser Frage kann es kommen, weil wir im 6. Kapitel auf zwei Aussagen stoßen, die so gar nicht zueinander passen wollen, nämlich "Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." (Galater 6,2) und drei Verse weiter "Denn ein jeglicher wird seine Last tragen". Als Leser muss uns bewusst sein, dass sich solche vermeintlichen Widersprüche im­­mer dann in Luft auflösen, wenn wir uns dem Zusammenhang widmen und uns klar machen, dass wir eine Übersetzung des heiligen Gotteswortes in Händen halten. Ein Blick in den Originaltext offenbart nämlich, dass wir es hier mit zwei verschiedenen Arten von Lasten zu tun haben; eine, die Hilfe beim Tragen nötig macht und eine, die wir nur selbst tragen können.

Lasten anderer (mit)tragen
Zum Lastentragen sind wir nicht geboren, wir kommen hilflos auf die Welt und sind darauf angewiesen, dass andere uns tragen und versorgen. Durch die Neugeburt in Christus ist man zwangsläufig noch nicht felsenfest im Glauben verwurzelt. Es braucht die Hilfe durch Geschwister. Stellen wir uns einen jungen Christen in Galatien vor: Er hat von Jesus gehört, hat sich taufen lassen zur Vergebung seiner Sünden. Er hat den heiligen Geist bekommen (Galater 3,26-27; 4,6). Und nun kommen Irrlehrer daher, welche ihm etwas anderes einreden wollen. Sie machen ihm das Leben nicht leichter. Paulus sagt von diesen Personen: "Sie eifern um euch nicht gut, sondern sie wollen euch ausschließen, auf dass ihr um sie eifert." (Galater 4,17) Das fördert keine Gemeinschaft. Es sorgt für Rivalität und Wettbewerb unter Geschwistern. Es bindet ein Joch auf, das niemand wirklich tragen kann. (Apostelgeschichte 15,10)

Um so eine Art von Last geht es hier. Das griechische Wort "baros", welches Paulus in Galater 6,2 verwendet, bezieht sich auf schwere Lasten, unter denen man allein zusammenbricht. Wenn zum Beispiel ein Schiff im Altertum zu schwer beladen war, so dass es zu sinken drohte, sprach man von der Überladung als "baros". Im religiösen Sinne können das Vorschriften sein, die einem Gläubigen auferlegt werden, obwohl sie unnötig sind.

Ob dieser Christ jetzt dieser falschen Lehre zum Opfer fällt, hängt auch davon ab, ob er Geschwister hat, die ihm helfen. Wenn Menschen andere Wege suchen, dann verbinden sie das mit der Hoffnung, dass ihnen jemand beim Tragen ihrer Lasten hilft - die Last von Sorgen, der Kampf mit Sünde. Da wird mit dem einfachen Rezept gelockt: "Tu dies und du wirst keine Probleme mehr haben. Hast du trotzdem noch welche, hast du es eben nicht richtig gemacht." Denen, die sich so ihre eigene Gesetzlichkeit ausgedacht hatten und miteinander wetteiferten, stellt Paulus das "Gesetz Christi" gegenüber. Es ist die praktische Antwort auf nahezu alle Irrlehren. Wenn wir Menschen helfen wollen, die den Blick für den Herrn, für das Wesentliche verloren haben oder entmutigt sind, müssen wir ihnen etwas besseres anbieten. Und das können wir, weil wir Jesus haben, den größten aller Lastenträger.

Im Alltag stellt sich uns aber gleich ein anderes Hindernis in den Weg. Wir sind doch schon so sehr mit unseren eigenen Problemen belastet. Wie kann da noch Platz sein, sich um den Nächsten zu kümmern? Die Frage ist: Warum gibt uns Gott dieses Gebot zum Lastentragen? Wir müssen erstens die Überzeugung haben, dass Gott uns zu dem Gebot auch die Möglichkeit gibt, es zu tun. Zweitens müssen wir Gemeinschaft pflegen. Ich kann ja gar nicht wissen, was meinen Bruder/meine Schwester bedrückt, wenn ich ihm/ihr nur mal sonntags vor der Versammlung ein "hallo, wie geht's" bzw. hinterher "schöne Woche noch" zurufe. Jesus waren die Einsamen, die am Rande Stehenden nicht egal. Er nahm sich Zeit für den Mann am Teich Bethesda, der keinen Menschen hatte (Johannes 5,1). Und selbst wenn jemand behauptet, er brauche keinen Menschen, so wissen wir doch, was Gott gleich zu Anfang sagt: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei" (1. Mose 2, 18).

Schauen wir nun näher in den unmittelbaren Textzusammenhang. Die Aufforderung zum Lastentragen steht eng in ­Ver­bin­dung mit den Gedanken aus dem vorhergehenden Vers. Da geht es um jemand, der von einem Fehltritt ereilt wird. Das klingt nicht wie jemand, dem man erst sagen muss, dass er etwas falsch gemacht hat. Der weiß das schon. Hier ist nicht schulmeisterliche Belehrung gefragt, sondern Demut. Hätte dir der Fehler nie passieren können? Statt auf den gefallenen Bruder oder die Schwester herabzusehen, soll man aufhelfen bzw. zurecht helfen. Gutes Zuhören ist hier gefragt. Aber wenn du dich vorher nie mit ihm/ihr abgegeben hast, wird selbst das schwierig sein.

Folgende Anekdote aus Afrika habe ich gelesen: Ein Mädchen trägt einen Jungen. Das Mädchen ist noch nicht alt, der Junge gar nicht so klein. „Na du hast aber eine schwere Last zu tragen!“, sagt eine ältere Dame. „Nein!“, sagt das Mädchen. „Das ist keine Last. Das ist doch mein Bruder!“ Diese Geschichte zeigt uns die richtige Einstellung. Warte nicht, bis andere etwas tun. Fang du an, Schritte auf den anderen zuzugehen! Auch du kannst tragen helfen, wenn du dich selbst von Gott tragen lässt.

Unsere eigene Last tragen
Als Paulus den Galaterbrief schrieb, war ihm bewusst, dass man mit vielen Dingen in Extreme fallen kann. Es gibt die Anekdote über einen Prediger, der für alle in seiner Gemeinde da sein wollte und seine Familie darüber vernachlässigte. Eines Abends wurde er kurzfristig zu einem seelsorgerlichen Gespräch gerufen. Dienstbeflissen ließ er alles stehen und liegen und ging zum vereinbarten Treffpunkt, wo schon jemand auf ihn wartete - seine Frau und die Kinder. Das Zurechtweisen und das Kümmern um andere kann so weit gehen, dass man vergisst, sich selbst zu prüfen, d.h. die Verantwortung für das eigene Leben wahrzunehmen. Lesen wir die Verse aus Galater 6,3-4:

So aber jemand sich lässt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.
Ein jeglicher aber prüfe sein eigen Werk;
und alsdann wird er an sich selber Ruhm haben und nicht an einem andern.

Unser Tragen anderer hat also auch seine Grenzen. Davon handelt der nächste Vers: "... denn jeder wird seine eigene Last tragen." Die Last, von der hier die Rede ist, heißt im griechischen "phortion". Das, was ein Soldat als Marschgepäck aufgeladen bekam, wurde so genannt. Es wog schon einige Kilo, war aber so bemessen, dass man es ohne fremde Hilfe tragen konnte. Und auch wenn ein Schiff normal beladen und nicht überladen war, sprach man vom "phortion". Eine gewisse Ladung ist ja geradezu nötig, damit ein Segelschiff stabil im Wasser liegt, sich bequem steuern lässt und sein Ziel sicher erreicht. Allzu leicht kann es sonst schnell ein Opfer von Wind und Wellen werden. Wenn ein Schiff keine Handelsware mit sich führte, wurden deshalb oft zusätzliche Gewichte im Laderaum deponiert.

Was sagt uns das über unsere eigene Last? Brauchen wir nicht auch eine gewisse Last, um nicht auf der Überfahrt unseres Lebens zu kentern? Die Verantwortung, welche uns auferlegt ist, empfinden wir oft als Bürde und wir sehnen uns danach, sie abgenommen zu bekommen. Aber erst dann, wenn uns klar wird, was wir selbst ziehen müssen (phortion), können wir unseren Geschwistern helfen, die mit "baros" überladen sind.

Man sieht hier auch eine klare Grenze: Wir sind verantwortlich füreinander. Wir sollen einander lieben, einander dienen, einander vergeben. So helfen wir anderen beim Tragen, wo sie allein nicht tragen können. Aber wir sind nicht dafür verantwortlich, andere um jeden Preis glücklich zu machen und jedes ihrer Probleme für sie zu lösen. Wir können Ratschläge geben, aber wir sind nicht dafür verantwortlich, ob dieser Ratschlag angenommen wird und wie sich der andere verhält.

Die beiden Verse über das Lastentragen ergänzen sich also wunderbar. Galater 6,2 ermahnt uns da, wo hartherziges Richten und Gleichgültigkeit an die Stelle herzlicher Gemeinschaft getreten ist. Galater 6,5 erinnert uns daran, dass wir nicht alles auf die Schultern anderer laden, sondern in treuem Glauben das schultern, was uns der Herr Jesus selbst auferlegt hat. Er lädt uns ein, sein Joch auf sich zu nehmen und ermutigt uns, indem er hinzufügt, dass seine Last (phortion) leicht ist (Matthäus 11,28-30). Ihn dürfen wir immer um Hilfe bitten, wenn wir mehr Kraft brauchen. Ein Christentum, was fähig macht, zuerst das eigene Leben zu meistern und danach anderen zu helfen, ist das, was diese Welt braucht. Die Gemeinde Christi soll ein Ort sein, wo man das Tragen in beiderlei Hinsicht üben kann.